Mantra

Ein Mantra "wirkt" auf ganz verschiedenen Ebenen, je nach dem ob es gesungen werden, rezitiert oder nur innerlich im Geiste gesprochen werden. Innerlich gesprochen (im Geiste, ohne Klang) formt es die Struktur der Wahrnehmung und des Denkens. Nach und nach lernst du, dass du nicht das Denken bist, sondern dir das Denken zur Verfügung steht. Das ist die mächtigste Form der Rezitation, sie wirkt durch alle Ebenen des Seins, da alles in unserer Wahrnehmung wurzelt. Das Singen oder Rezitieren eines Mantras wirkt vor allem auf den feinstofflichen und den physischen Körper. Meister können die geistige, feinstoffliche und physische Ebene gleichzeitig ansprechen.

Singend verbinden sich zwei Welten: Die Welt des Geistes mit der Welt der Schönheit und der Freude. Männliches und Weibliches verbinden sich in einer Einheit, und das ist "Mensch".

Wir alle kennen die Wirkung eines Mantras nur zu gut durch unsere "Alltags-Mantras" wie z.B. "Ich kann es nicht", "Ich will das nicht" oder auch "Der andere ist schuld". Leider ist es uns unmöglich, bewusst die Form unserer Gedanken zu verändern, da sich unsere Kontrolle erstens nur des bewusst gedachten Inhaltes bemächtigen kann und die Kontrolle selbst bereits wieder ein negatives Gedanken-Mantra erzeugt in der Art von "Ich darf das nicht denken". Die Beschäftigung mit den störenden Gedanken erzeugt neue Störungen, eine Fixierung auf das Negative erzeugt nur weiter Negatives. Ein innerlich gesprochenes Mantra ermöglicht nach und nach, den Fokus der Wahrnehmung auf eine andere Ebene zu richten und so aus dem Kreislauf der Gedankenwelt auszusteigen. Wie dem Reiter sein Pferd, steht die Kraft des Denkens allmählich als reine Energie zur Verfügung. 


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Gayatri Mantra

“Om Bhur Buvaha Suvaha
Thath Savithur Varenyam
Bhargo Devasya Dheemahi
Dhiyo Yonaha Prachodayath”

"OM physische Welt, feinstoffliche Welt, geistige Welt. Wir richten unser Gewahrsein zum Glanz der Gottheit, die unser Verständnis inspirieren möge."

Nicht der Sinn, der sich intellektuell erfassen lässt, ist das wichtigste Element des Mantras, obwohl es sicher ratsam ist, sich auf das Höchste zu besinnen. Urlaute wie "OM" oder "AUM" wirken aber nicht über den Sinn, sondern indem sie unsere Gedanken in klar definierte "psychische" Bewegungen leiten und uns über das "Symbol" des Wortes mit dem Ursprung des allumfassenden Geistes verbinden.


Gayatri Mantra

 Wie in allen Gebeten und Anrufungen liegt das Geheimnis eines Mantra im tiefen Verständnis des Menschseins gegenüber einer Gottheit, die grösser ist als das ICH und dennoch dem Menschen zutiefst verbunden ist. Es gibt viele Übersetzungen von Sanskrit-Mantren, die sich zum Teil enorm unterscheiden, da jede Übersetzung eine Interpretation ist. Wir neigen dazu, die Mantren gemäss unserem Weltbild und spirituellen Vorstellung zu interpretieren. Für das Gayatri-Manra, einem der wichtigsten Mantren im hinduistischen Kulturraum, existieren viele Übersetzungen. Da es als Westeuropäer ohne Sanskrit-Kenntnisse sehr schwer ist herauszufinden, welche nun korrekt ist, habe ich Dieter Koch, ein Freund und profunder Kenner des Sanskrit gebeten, es (und alle anderen Sanskrit-Mantren ebenso) für uns neu zu übersetzten.

Die erste Zeile des GAYATRI, "OM Bhur Buvaha Suvaha", lautet wortwörtlich übersetzt wie folgt: OM: Ja - Bhur: Erde - Buvaha: Dasjenige dazwischen... - Suvaha: Sonne...
Die Interpretation von "Erde" als physische Welt, das "Dazwischen" als feinstoffliche Welt und "Sonne" als geistige Welt usw. scheint mir legitim, sie benennt die in allen Zeiten von Wissenden erkannten Dimension der drei Welten.

Wortmeister

Zacken-Berg
Über mir ...
Drachen-Tiefe
Unter mir ...
Ich,
Auf dem «Weg»,
Bin selbst
Der Steg! — — —

Bô Yin Râ: Funken, Mantra-Praxis
(Josef Anton Schneiderfranken)
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